Die Türen öffnen sich. Kaum berührt sein Fuß den Gehsteig, beschleicht ihn das Gefühl, irgendetwas sei falsch.
Er blickt sich um. Lastwagen donnern an ihm vorüber. Dahinter schlafen die Betonsilos der Universität. Es sind Semesterferien. Von einer schönen Aussicht ist weit und breit nichts zu sehen.
Als der Bus die Türen schließt, fällt es ihm auf. Der Bus ist noch halbvoll. Wäre hier wirklich Endstation, dann wäre er leer.
Bernhard schaut zweifelnd auf das Haltestellenschild. Da steht es! Zur schönen Aussicht. Hier ist die Endstation. So wie es der Fahrplan versprochen hatte. Oder ist die Reise hier gar nicht zu Ende?
Dann fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Er befindet sich in Paderborn. Und hier ist das selbstverständlich möglich! Die Stadt ist seit Urzeiten katholischer Bischofssitz. Wie jeder Gläubige weiß, geht es nach dem Ende selbstverständlich noch weiter.
Es lockt der Himmel. Und der ist für Viele das Ziel aller Wünsche!
Manche – islamistische Selbstmordattentäter zum Beispiel – sprengen sich (und Andere) sogar in die Luft, um möglichst schnell in Selbigen zu gelangen.
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es Sekten, die sich nichts sehnlicher herbeisehnen als das Ende der Welt, beispielsweise durch einen Atomkrieg. Ein ehemaliger US-Präsident soll mit ihnen sympathisiert haben (Der Aktuelle beschränkt sich bekanntlich aufs Dealen).
Heute ist der Himmel allerdings wenig einladend. Außer Nieselregen und einem tristen Grau bietet er keine Annehmlichkeiten.
Bis zu Bernhards irdischem Ziel sind es noch zehn Minuten Fußweg. Fahren oder laufen? Er schaut auf den Fahrplan und entscheidet sich, – auch wenn der Weg nicht gerade einlädt – zu laufen. Besser als zwanzig Minuten frieren.
Etwas durchgeweicht findet er schließlich sein Ziel: Den Konsumtempel fürs Elektronische, bekannt als ich bin doch nicht blöd.
Jörn Wiertz, Juli 2025
